Einwanderung & Integration


Mir gefällt auch so vieles nicht, wie es bei uns mit Einwanderung und Integration läuft. Noch weniger gefällt mir, dass gewisse Politiker mit "Ausländer raus" zur Kommunal-Wahl auf Stimmenfang gehen. Sie hetzen die Leute auf und lügen ihnen unverfroren ins Gesicht. Denn allein das Land NRW bestimmt, wie viele Flüchtlinge Leverkusen aufnehmen muss. Ich lüge Sie nicht an und mache Ihnen nichts vor. Ob es uns nun passt oder nicht, wir müssen die Einwanderung hinbekommen. Aber das geht nicht mit Amateuren, die nicht wissen, wovon sie reden. Nicht mit Interessen-Vertretern. Sondern mit Leuten, die eigene Erfahrungen mitbringen. Habe ich die? Ja, hab ich.

 

Selber gestalten können wir die Integration. Und die sollten wir, in eigenem Interesse, ernst nehmen. Und die Integration muss viel besser werden! Denn nur so können viele Flüchtlinge zu Einwanderern werden. Und die werden uns helfen, den Fachkräftemangel zu lindern.

 

"Wir schaffen das". Wirklich?

 

Nee, allein mit einem flotten Spruch schaffen wir gar nix. Integration schafft man nur, wenn man, wie man in Spanien sagt, Eier in der Hose hat. Mutig ist und auch fähig, Unpopuläres verständlich und ehrlich zu erklären. Wohl wissend, dass andere nur darauf warten, einem die Worte im Mund herum zu drehen. Das muss man aushalten. Ich halte das aus. Mit geschmeidigem Eiertanz jedenfalls geht es nicht. Schauen Sie doch mal, wer in Leverkusen zu Einwanderung und Integration was sagt! Fast alle halten sich bedeckt. Ich habe keine Angst. Stelle mich dem Problem. Sage nicht nur das Richtige. Sondern auch das Nötige.

 

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Und das seit ..... seit rund 150 Jahren. Die erste Einwanderungswelle waren Polen. Die konnte man dezent als "Binnen-Migration" verschleiern, weil es einen polnischen Nationalstaat damals nicht gab. Im Jahr 1955, also vor 65 Jahren, wurde der erste Anwerbe-Vertrag mit Italien geschlossen. Andere Länder kamen in schneller Folge dazu. 1973 waren es 4 Millionen Menschen. Ziemlich unehrlich wurden sie als "Gastarbeiter" bezeichnet. Von wegen Gast! Sie blieben, weil die Industrie sie brauchte. Aber nicht nur das!

 

Im Moment haben wir eine Geburtenrate von 1,5 Kindern pro Paar. Macht einen Bevölkerungs-Schwund von 25% in 50 Jahren. Ändern wird sich das wohl kaum. Das Modell "Mann auf die Schicht, Frau an den Herd" ist aus dem vergangenen Jahrtausend. Heute fordern Frauen, vollkommen zu Recht, Gleichberechtigung und Teilhabe am sozialen und beruflichen Leben. Gut so.

 

Unsere Sozial-Systeme, insbesondere die Rente, sind aber auf Wachstum angelegt. Wollen Sie allen Ernstes bis 75 Jahre arbeiten? Sicher nicht. Wenn wir nichts tun, fliegt uns die Rente um die Ohren. Ein Arbeitnehmer kann beim besten Willen nicht allein für mindestens einen Rentner aufkommen. Also bleibt uns gar nichts übrig, als unseren Bevölkerungs-Schwund zumindest auf Gleichstand zu heben. Wie? Gibt es eine Alternative zu Einwanderung? Nein, gibt es nicht. So einfach ist das. Gar nicht einfach allerdings ist die Integration.

 

Ich weiß, wie Integration gehen kann.

 

Bis Oktober 2013 habe ich selber 10 Jahre lang auf den Kanarischen Inseln gelebt. Ich kenne die Problematik der Einwanderung aus eigener Erfahrung. Im Guten wie im Schlechten. Wobei ich auf dem Zettel habe, dass mein "Auswandern" ein kultureller Hüpfer war. Die Rheinische und Kanarische Gesellschaft unterscheiden sich kulturell so gut wie gar nicht. Die Menschen, insbesondere die aus muslimischen Ländern zu uns kommen, müssen aber einen kulturellen Quantensprung hinlegen. Das können sie nicht einfach mit "learning by doing". Wenn wir zu nachsichtig sind, helfen wir diesen Menschen nicht. Im Gegenteil, wir lassen sie mit ihren Problemen allein in einer völlig fremden Welt.

 

Wat mutt, dat mutt.

 

Wer mit uns nicht sprechen kann, der kann sich niemals integrieren. Auf den Kanarischen Inseln gibt es keinen Druck, spanisch zu lernen. Für Einkaufen und Ausgehen kommt man in touristischen Gebieten auch mit deutsch oder englisch durch. Für Behördengänge, Steuern und anderes gibt es deutschsprachige "Spezialisten". Folglich sprechen die meisten Ausländer kaum mehr spanisch als "por favor" und "gracias". Aber das kennen wir ja auch in Deutschland. Großzügiger Verzicht auf "fleißig deutsch lernen" geht am Ende immer zu Lasten der Einwanderer. Wer akzeptiert werden will, muss die Landessprache beherrschen. Und das ist überall auf der Welt so.

 

Wie sieht es mit dem sozialen Leben aus? Klar, das beschränkt sich, wenn man die Landessprache nicht kann, auf die eigenen Landsleute. Und bums - man hat eine Parallel-Gesellschaft. Die größte deutsche Ausländer-Gemeinschaft lebt auf den Kanarischen Inseln, mehr als in Spanien und den Balearen zusammen gerechnet. Stolz brauchen wir auf diese Gemeinschaft nicht sein. Sie dürfen "nett" nicht mit "gut" verwechseln. Die Gesetze aus der Heimat gelten nicht, die Gesetze im Gastland kennen wir nicht. Viele leben nach eigenen Gesetzen. Ich hatte meine Reise-Firma schon auf Gran Canaria und kann ein Lied davon singen.

 

Für mich war es überhaupt keine Option, allein in dieser Parallel-Gesellschaft zu leben. Mir hätte, wie den meisten, Einsamkeit gedroht. Freunde gewinnen ist schon im Heimatland nicht einfach, als Ausländer ist es fast unmöglich. Aber immerhin, ich habe fleißig spanisch gelernt. So konnte ich von den Canarios lernen und das war für mich ein Riesengewinn. Ich bin immer noch ein Deutscher. Jedoch in meiner Mentalität längst ein halber Canario geworden. Das allein gibt meinem Auswandern schon einen Sinn.

 

Fragen nach der freien Art zu leben, stellten sich für mich nicht. Es gibt keine Unterschiede. Das Fundament der spanischen Gesellschaft ist das Christentum in einer modernen Light-Version, genau wie in Deutschland. Für Einwanderer aus muslimischen Ländern gibt es aber einen gewaltigen Konflikt zwischen den eigenen Traditionen und der Freiheit und Gleichberechtigung bei uns.

 

Die Religions-Freiheit ist ein elementares Recht. Daran darf nicht gerüttelt werden. Jedoch darf man Religion nicht mit religiös ummantelten Traditionen verwechseln. Da tun sich Christentum und Islam nicht viel. Blättern wir doch mal gut 50 Jahre zurück. Wie stark griffen die Kirchen in das private Leben ein mit allen möglichen angeblich christlichen Vorschriften! Das haben wir überwunden. Heute garantiert das deutsche Grundgesetz jedem in unserem Land ein Höchstmaß an invidueller Freiheit. Traditionen im Heimatland der Einwanderer lehren aber oft noch eine stark reglementiere und unfreie Art zu leben. Gleichberechtigung von Mann und Frau - völlige Fehlanzeige. Nicht einmal die Freiheit der Frau, den Ehemann selber auszusuchen. Tolleranz gegenüber Minderheiten erst recht.

 

Wir müssen Flüchtlingen und Einwanderen gegenüber ehrlich sein: hier ist Deutschland, ein sehr freies, rechtsstaatliches Land. Freie Religions-Ausübung ist garantiert. Festhalten an längst überholten Traditionen können wir, wie jedes Land auf der Erde, nicht garantieren. Mitgebrachte Traditionen können nur im Rahmen unserer Gesetze tolleriert werden.

 

Das ist es also, was wir schaffen müssen. Eine Herkules-Aufgabe. Aber nicht unlösbar. Wenn wir mit Herz und Verstand handeln:

 

Ich sage: Wir dürfen nur so viele Flüchtlinge aufnehmen, wie wir integrieren können.

Bundespräsident Gauck sagte es so: Das Herz ist weit, die Möglichkeiten sind endlich.

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