Kommunalwahl 2020


Opladen, 24. Oktober 2021

 

Bei der Kommunalwahl 2020 hatte ich mich um den Ratssitz für den Bezirk Quettingen West beworben. Es wurde eine Erfahrung, die ich um nichts in der Welt missen möchte. Lernen heißt Leben. Leben ohne Lernen ist tot mit offenen Augen. Ich habe gelernt. Viel gelernt.

 

Der Kandidat von der SPD hat meinen Wahlbezirk mit 8 Stimmen Vorsprung gewonnen und zeigte sich zufrieden. Geschafft. Ja, was denn geschafft? Doch nur 5 weitere Jahre den Sessel im Stadtrat gesichert. Mehr aber auch nicht. Gewonnen hat er den Wahlbezirk mit lächerlichen 8,7% der Stimmen aller Wahlberechtigten. Wie kann man nur zufrieden sein, wenn im eigenen Wahlbezirk die Partei der Nichtwähler eine 2/3 Mehrheit "erzielt". Erdrückende 66,3%. Da müssen doch alle Alarmsirenen schrillen. Nöh, nix. Direkt-Mandat verteidigt und "weiter so".

Ohne Corona hätte ich an vielen Türen klingeln können. Es wäre für mich ein Leichtes gewesen, 10% der Nichtwähler zu überzeugen, dass ich aus einem ganz anderen Holz bin als der handelsübliche Kommunal-Politiker. Ich wollte in den Stadtrat. Ja. Aber doch nicht, um dort in meinen Sessel zu pupsen. Ich wollte etwas bewegen. Da hilft es sehr, wenn man im Rat sprechen darf. Was aber nur Ratsmitglieder dürfen. Dafür war ich sogar bereit, mich mit Stolperfallen auf der Kölner Straße und eventuell herab fallenden Äste auf irgendeinem Weg in Schlebusch herum zu schlagen.

 

Mein Herzensanliegen hätte ich nie aus den Augen verloren. Mit meinen bescheidenen Mitteln einen Beitrag zu leisten, damit zukünftigen Generationen noch eine lebenswerte Welt erhalten bleibt. Jeder Beitrag zählt. Niemand kann allein die Welt aus den Angeln heben und auf den richtigen Weg schubsen. Die Erhaltung der Umwelt und des Klimas kann nur als Team-Work aller Menschen gelingen.

 

Nun, es hat nicht sollen sein. Und die Welt geht trotzdem nicht unter. Nicht für mich.

 

Mein Hauptanliegen war der Ausschuss "Stadtentwicklung, Bau und Verkehr". Hier findet die wirklich wichtige Umweltpolitik statt. Nicht im Ausschuss "Bürger und Umwelt". Aus welchem Grund auch immer dürfen von den 4 kleinen Fraktionen im Rat, also Bürgerliste, Opladen plus, FDP und AfD, nur 2 einen "sachkundigen Bürger" in einen Ausschuss entsenden. Die beiden anderen müssen ein Ratsmitglied schicken. Das wird, wie könnte es anders sein, hinter verschlossenen Türen ausgeklüngelt.

Opladen plus sagte mir, es wäre dummer Zufall gewesen, dass der sachkundige Bürger von der AfD mir vorgezogen wurde. Gerade so, als wäre die Auswahl der Kandidaten fremdbestimmt. Wer an Zufall glaubt, der glaubt auch an den Osterhasen in roter Corsage. Ich glaube ja nicht einmal an den personifizierten Gott, der durch das Universum saust. Ich denke, ich war mit meinem Wunsch Verhandlungs-Masse und ein anderer sachkundiger Bürger für einen anderen Ausschuss war für Opladen plus eben wichtiger. Ist aber nur meine Meinung, ich war ja nicht dabei.

Ich kann aber auch verstehen, warum man mich nicht in diesem wichtigen Ausschuss sehen wollte. Ich wäre ganz sicher nicht pflegeleicht gewesen. Und ich habe ein Herz für "normal arbeitende" Menschen. Ich bin selber Arbeiterkind. Das habe ich nie vergessen und leugne das nicht. Für mich ist Wohnen ein Grundrecht. Und erst dann ein zulässiges Spekulations-Objekt für Wohnraum-Konzerne, wenn es um die Befriedigung hoher und höchster Ansprüche geht. Gewinnorientierten Konzernen darf man niemals Wohnen für nicht wohlhabende Menschen allein überlassen. Viel Beifall bekomme ich in der auf "weiter so" gebürsteten Politik für diese Einstellung wahrlich nicht.

 

Ich will aber gerecht sein, Opladen plus wollte mich fürstlich entschädigen.

 

Nur, die Entschädigung halte ich für elendiges Pöstchen-Geschacher der Politik. Ich sollte Aufsichtsrat bei der städtischen WGL werden und, wenn ich es richtig verstanden habe, auch bei der TBL. Also gleich 2 wohlklingende Pöstchen für meine Visitenkarte nebst kleiner Bezahlung. Ich habe abgelehnt. Jemand, der Politik machen will, hat in einem Aufsichtsrat nichts zu suchen. Gar nichts. Das ist doch Filz pur. Der Aufsichtsrat eines städtischen Betriebes darf niemals ein Abstellgleis oder Trostpflaster für Politiker sein, die man nicht unterbringen konnte. Oder wollte.

 

 

 

Ihr Frank Kleudgen

Aber einen Lichtblick brachte dieses Jahr 2021 doch noch.

 

Die Altparteien erzählen uns immer, es käme auf die "Inhalte" an. Quatsch mit Soße. Und sie wissen das auch. Schon 1969 hatte die CDU den Bogen raus und plakatierte mit "Auf den Kanzler kommt es an". Und tatsächlich, Willy Brandt wurde gewählt. Häh??? Willy Brandt war doch nicht CDU. Nee, natürlich nicht. Der Spruch war gut, nur der CDU-Kandidat Kurt Georg Kiesinger, ein Langzeit-NSDAP-Mitglied (ab 1933), war voll der Griff ins Klo. Bisweilen wiederholt sich Geschichte eben doch.

2021 wollten die Leute Markus Söder, aber das CDU-Hinterzimmer setzte ihnen Armin Lass-et vor. Das 3. Kölner Gebot "et hätt noch immer jot jejange" bewahrheitete sich. Gott sei Dank. Mit (nicht durch!) Armin Laschet vergeigte die CDU die Bundestagswahl und wir dürfen uns auf etwas Wechsel freuen. Aber leider nur "etwas".

Als die Leute sich mit Kanzler Robert Habek angefreundet hatten und die Grünen in den Umfragen mit 28% vorne lagen, ging der Esel aufs Eis. Die Grünen, nicht Habek. In einem denkwürdigen Interview sagte der, dass ungerade Plätze (auch 1 ist ungerade) Frauen vorbehalten sind und gerade Plätze auch von Männern besetzt werden können. Folgerichtig wurde Annalena Baerbock als Kanzler-Kandidatin benannt. Um auf 14,8% abzukacken. Wie doof und überheblich können fundamentalistisch Denkende nur sein. Mich hat ein Hotel-Direktor mal gefragt, wie ich als Internet-Reisefritze sein neues Apartmenthaus positionieren würde. Meine Antwort war so kurz wie schlüssig: "Urs, Du musst immer zuerst schauen, was Dir die Straße vor Deinem Hotel schon anbietet." Machte er, der Laden läuft heute wie Hölle.

 

Ausgedient hat das Hinterzimmer noch nicht. Aber es ist angezählt. Und ich habe gelernt, was ich will und was auf gar keinen Fall.

 

Immer noch hoch im Kurs steht der Begriff "bestens vernetzt sein". Ja, was heißt das denn? Wenn man es zu Ende denkt, bedeutet das, sich einzuschleimen. Mit Leuten "nett zu tun", die man als Brechmittel empfindet. Die man für Rindviecher hält, zu blöd, einen Eimer umzustoßen. Hauptsache ein Kontakt, der vielleicht die eigene Karriere schmiert. Äh bäh. Ich kann es nicht verhindern, dass ich im Magen eines anderen ankomme. Aber ich komme immer von oben ("den Kleudgen habe ich gefressen"), aber nie von hinten durch den Darm. Ich mag den Mann, der mir immer beim Rasieren aus dem Spiegel zuschaut. Wäre dieser Kerl ein Schleimscheißer, würde ich ihn verachten.

 

Ich habe Selbstachtung. So ist das. Und so bleibt das. Lieber keine Karriere als eine erschleimte. Punto final.

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