Fahrrad


Brücke zur Wilhelmstraße

 

Von der Campusbrücke bis zu den Eisenbahnbrücken an der Fixheider Straße sind es rund 900 Meter. Wer will, dass mehr Leute zu Fuß gehen oder das Rad nehmen, der muss für kurze Wege sorgen. Eine Barriere, die kilometerlange Umwege produziert, geht beim besten Willen nicht. Die Brücke zur Wilhelmstraße war ursprünglich geplant, ist dann aber dem Rotstift zum Opfer gefallen. Für die Lebensqualität in Opladen und für das Zusammen-Wachsen der Bahnstadt Ost mit der Neustadt wäre diese Brücke ein Segen.

 

 

Radweg nach Lützenkirchen

 

Die Brücke soll aber nicht in der Gegend stehen wie bestellt und nicht abgeholt. Deshalb wollen wir eine Verlängerung über Quettingen nach Lützenkirchen, entlang dem Bürgerbusch. Beide Projekte gehören zusammen. Das eine macht ohne dem anderen wenig Sinn.

 

In meinem Flyer für Quettingen habe ich nichts von Brücke und Radweg geschrieben. Wohl aber den Hinweis, dass ich nichts versprechen will, was nachher nicht finanzierbar ist. Wir kämpfen für die Brücke und den Radweg. Aber, ob das schon in der kommenden Ratsperiode klappt, ist fraglich. "Alles kein Problem" vor der Wahl und ein "ähm ja" nach der Wahl, ist nicht mein Stil und nicht Stil von Opladen plus.

 

 

Garantiert finanzierbar

 

Eigentlich wollte ich die Unfall-Statistiken von meiner Zweite-Heimat-Insel Gran Canaria besorgen. Sprachbarrieren habe ich keine und das Tráfico in Las Palmas ist kooperativ. Dort hat man die Geschwindigkeiten 2019 deutlich reduziert. Wenn es an Durchgangs-Straßen eine durchgehende Bebauung oder viele Fußgänger gibt, ist die Geschwindigkeit 40 km/h. In Gefahrenzonen und Andienungs-Straßen nur 30 km/h. Wir hätten aus der Unfall-Statistik (mit und ohne Personen-Schäden) fein ablesen können, welche Wirkung eine Reduzierung der Geschwindigkeiten auf Straßen durch bebaute und belebte Gebiete hat. Aber was sollen wir mit den Zahlen von 2020 und wohl auch 2021 anfangen? Wegen Corona gibt es kaum Touristen und folglich kaum Verkehr. 

 

Ich habe das dann selber ausprobiert. Wenn ich auf den Durchgangs-Straßen in Quettingen nicht die erlaubten 50 km/h fahre, sondern nur 40 km/h, verkürzt sich die Wartezeit im Rückstau vor roten Ampeln. Jedoch die Gesamt-Fahrzeit ändert sich oft gar nicht. Dafür verkürzt sich der Bremsweg. Bei unvorhersehbaren Situationen ist der Bremsweg in den Stand rund 30% kürzer. Üblicherweise aber komme ich mit der Rekuperation (...elektrische Bremsen in einem E-Auto) aus.

 

Radwege müssen sein, keine Frage. Aber sie können, genau wie die Wupsi, nicht jede Haustüre anbinden. Auch dieser "letzte Kilometer" muss sicher sein. In Linz (Oberösterreich) habe ich die "Begegnungs-Zonen" kennen gelernt. Es gibt Straßen im Innenstadtbereich, wo die Rangordnung ganz klar geregelt ist: 1) Fußgänger 2) Radfahrer 3) Autos. Alle drei teilen sich denselben Verkehrsraum. Theoretisch könnten Fußgänger mitten auf der Straße schlendern, dann darf ein Auto nicht hupen, sondern muss geduldig warten. Natürlich macht das keiner. Die "Begegnungs-Zonen" haben viel mehr zu einem Denken im "Wir" geführt. Man arrangiert sich. Und es klappt.

 

In Leverkusen sind auf der Manforter Straße zwischen Adenauer Platz und Eisenbahn seitlich Fahrradstreifen markiert (gestrichelte Linie). Die Mitte ist für Autos. Die aber kommen da nicht aneinander vorbei. Man muss sich ein paar Zentimeter vom Radweg "leihen", dann geht es. Jeder Autofahrer versteht auf Anhieb, dass dieser Teil der Straße eben nicht dem Autofahrer "gehört". Der Fahrradfahrer hat Vorfahrt. Auch das klappt. Und könnte ein Vorbild sein für die Quettinger Hauptstraßen, die ja allesamt nicht für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt sind.

 

Nun bin ich ein Mensch der Vernunft. Mit fundamentalistischen Ideologien habe ich nichts zu tun. Der Wahlspruch der Grünen "Überholen auf dem Fahrradweg" gibt ein falsches Signal. Da wird doch gleich dem Fahrradfahrer suggeriert, man wäre der neue "King of the Road". Nein! Niemand ist König, sondern wir kooperieren. Alle gemeinsam. Fußgänger, Radfahrer, Autos. Und jeder hat im Hinterkopf, dass spielende Kinder oft nicht auf den Verkehr achten. Und auch, dass Fußgänger weder Fahrräder noch E-Autos hören können.

 

Möglicherweise bedeutet "Überholen auf dem Fahrradweg" in Wahrheit "wir wollen überall Tempo 30". Auf Andienungsstraßen ja, der Zeitverlust misst sich in Sekunden. Auf Durchgangsstraßen ist es Blödsinn. Wenn man ständig auf den Tacho starren muss, ist der Sicherheit im Straßenverkehr auch kein Dienst getan. Tempo 30 ist auf Durchgangs-Straßen fundamentalistisch, aber nicht verhältnismäßig.

 

Dort, wo ich in Wermelskirchen meine ersten Jahre verlebt hatte, führte die B51 keine 100 Meter entfernt vorbei. Kein Haus in der Nachbarschaft, wo nicht mindestens ein Kind von einem Auto auf dieser B51 angefahren wurde. "Ich will Spaß, ich geb Gas". Das war die Devise vieler Autofahrer. Das war aber auch im vergangenen Jahrhundert. Wir müssen heute weiter sein. Miteinander. Gelassen. Ruhig. Und wenn die Fahrt ein Minütchen oder zwei länger dauert, dann sei es drum. Auf den Kanaren ist 5 Minuten zu spät noch absolut pünktlich.

 

Ich wäre sehr dafür, es in Quettingen mit den "Begegnungs-Straßen" einmal zu probieren. Die Kosten sind ja minimal.

Auf jeden Fall ist das sehr viel produktiver, als haltende Wupri-Busse bewusst als Verkehrs-Bremsklotz zu missbrauchen.

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