Woran ich glaube


Transparente Politik

Im Wahlbezirk Quettingen-West haben 66,4% der Wahlberechtigten nicht gewählt. Übrigens war das 2014 auch nicht besser. Es waren also sechs lange Jahre Zeit, etwas gegen das Desinteresse und auch gegen die Frusttration der Bürger zu tun. Passiert ist ja wohl nix. Jetzt haben wir die Situation, dass Ihr Vertreter im Stadtrat von erbärmlichen 8,7% der Wahlberechtigten gewählt wurde.

Ich nenne das Bankrott-Erklärung der kommunalen Politik. Ihr "Vertreter" ist mit einer Mehrheit von 8 Stimmen "zufrieden".

Wie weit muss die Wahlbeteiligung denn noch fallen, bis die Parteien begreifen, dass Klüngel-Politik die Leute in die Arme von Populisten treibt. Die Politik muss auf den Bürger zugehen. Es müssen die besten Leute in die verantwortlichen Positionen berufen werden und nicht die Ersten in Amigo-Seilschaften.

 

 

Wohin die Polit-Seilschaften führen, sieht man mit erbarmungsloser Deutlichkeit jetzt im Ukraine-Krieg.

 

Wirklich meisterhaft versteht es Wolodja Adolfowitsch Putin, alle wichtigen Knotenpunkte des politischen Machtgeflechtes mit Gefolgsleuten zu besetzen. Gefolgsleute, die ihm in bedingungsloser Nibelungentreue ergeben sind. Die auch bereit sind, sich von ihrem Meister vor laufender Kamera zur Sau machen zu lassen. Ihnen geht es gut im After vom kleinen Wolodja und ihre Taschen füllen sich mit Rubel. Genauso wie es unter Adolf war. Einziger Unterschied: bei Adolf waren es Reichsmark.

Als Politiker aus der KGB-Schule weiß Putin eben, wie man seine interne Macht festigt. Gerne präsentiert er sich als Geschichtsprofessor für Arme und biegt sich die Fakten so zurecht, damit sie in sein Bild passen. Zwei elementare Aspekte passen nicht, überhaupt nicht:

 

1) Das makkedonische Wunderkind Alexander der Große konnte in nur wenigen Jahren ein Mega-Reich aufbauen. Von Südeuropa bis Indien, vom Schwarzen Meer bis Ägypten. Das gelang aber nur, weil sämtliche bedeutende Städte in Kleinasien (heute Türkei) ihre Tore freiwillig öffneten und ihm die Schlüssel gerne übergaben. Denn Alexander hatte ordentlich was an Mitgift im Gepäck. Griechische Hochkultur, Athener Demokratie, innere Selbstverwaltung, für damalige Verhältnisse viel Freiheit und keine Tribut-Forderungen. Alles das, was sich jeder Mensch vor 2.350 Jahren wünschte und was es unter der Knute des persischen Königs Dareios III eben nicht gab.

Und was hat Wolodja Adolfowitsch Putin in der Auslage? Die Angebote von Alexander hatten die Ukrainer ja schon. Mehr oder weniger. Putin will sie "befreien" und mit der russischen Knute beglücken. Wie bescheuert ist das denn!

Ganz abgesehen davon, dass die russische Armee bei weitem nicht die Stärke hat, die man ihm versprach. Einer der Gründe ist derselbe wie damals beim Perserkönig Dareios III. Ein rieisges Heer. Aus Söldern. Die Geld verdienen wollen oder gezwungen sind zu "kämpfen". Das aber möglichst ohne Aua. Schon gar nicht mit Sterben. Die Ukrainer kämpfen für ihre Freiheit. Alle und alle freiwillg. Und mehr noch:

2) Wer sich vor laufender Kamera zur Sau machen lässt, wird seinem Zar erzählen, was der hören will. Zwar werden die russischen Soldaten von den Ukrainern mit Blumen empfangen. Allerdings nur, wenn die Pötte noch dranhängen. Auch werden die russischen Soldaten von den Urkainern eingeladen. Es steht aber nur ein Getränk zur Wahl. Der Molotow-Cocktail. Zwei Scherze, natürlich. Die aber deutlich zeigen, wie einfach man wahre Informationen mit ein paar kleinen Schnitten ins Gegenteil verkehren kann. Beratung sieht anders aus.

Speichellecker sind richtig Klasse, die interne Macht zu sichern. Aber sie haben kein Rückgrat, keinen Mut und sowieso oft weder Verstand noch Weitblick. Sie können nicht helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Jedoch, wollen das Diktatoren überhaupt? Sie wissen doch, was für das Volk gut ist. Und sie, nur sie allein, können alles. Widerspruch zwecklos.

 

An dieser Stelle muss man sich fragen, warum zum Teufel macht der Putin Vernichtungskrieg. Was bringt ihm das?

 

Gründe mag es viele geben. Mich interessieren die beiden Gründe "auf dem untersten Nenner".

 

1) Im Geschichtsunterricht haben Sie gehört (...oder überhört), dass Kaiser Trajan das Römische Reich um die wichtige Provinz Dakien (im heutigen Rumänien) "erweitert" hat. Ist ja etwas Positives. Genauso positiv steht in Rom die Trajans-Säule. Die Wahrheit ist schaurig. Dakien hat Rom niemals bedroht. Vielmehr war die römische Staatskasse klamm. Man wollte die Knete und das Gold der Dakier, um die eigenen Finanzprobleme zu lösen. Es war an furchtbares Gemetzel einer überlegenen Macht. Auch mit Massenschlachtung der Zivilbevölkerung. Das erzählt unsere (nie überarbeitete !!!) Geschichtsschreibung aber nicht. Trajan hat gewonnen. Also ist er der Held, der "Gute". Heiligenschein drauf.

Diesen Irrglauben, diese Huldigung der Gewinner mit Übersehen jeder Brutalität, bekommen wir alle, überall auf der Welt, als "Geschichtsunterricht" eingeimpft. Selbst in Europa. In Spanien gibt es sogar einen Feiertag, den ich etwas böswillig, aber dennoch korrekt, mit "Rassentag" übersetze. Gedacht und gefeiert wird dem spanischen Weltreich mit seinen vielen Völkern. Was da in Amerika abging, wissen wir alle. Das ehemalige Weltreich wird trotzdem gefeiert.

 

Jeder krieglüsternde Diktator will sich ganz vorne bei den "großen" Führern einreihen. Wir müssen die Gewichtung der Geschichte ändern. Jetzt.

 

2) Im 19. Jahrhundert bildeten sich die "Nationalstaaten". Deutschland hat lange gebraucht. Bis 1870. Wo in Versailles (Frankreich !!!!) das Deutsche Reich nach erfolgreichem Krieg ausgerufen wurde. Aber was verbirgt sich hinter "Nationalstaat"?

Ein Gefühl, Teil etwas Großem zu sein. Stolz auf das Große. Bereit sein, in einen Wettbewerb der Nationalstaaten einzusteigen. Sprich: Krieg.

Was hatten die Russen zur Zeit der Sowietunion? Stolz auf ihre Raumfahrt und Stolz auf das größte Reich der Welt. Ihr Leben aber war Scheiße. Unterdrückt vom KGB. Nicht einmal genug zu Essen konnte dieses Riesenreich zu allen Zeiten bereit stellen. Obwohl man über unendliche Rohstoffe verfügte. Russland kann Dreck verkaufen und hat in den letzten 30 Jahren nichts, absolut nichts getan, um fit zu werden für die post-fossile Zeit. Deutschland musste schon immer intelligente Industrieprodukte entwickeln, um überleben zu können.

Die "Nationalstaaten" sind das reinste Gift und passen nicht mehr ins 21. Jahrhundert. Sie lenken ab von Missständen in der Region, in der man lebt. Sie lenken ab mit Stolz auf Größe und Macht. Beides kann man aber nicht essen und trinken, nicht anziehen und auch nicht damit knuddeln. Zufriedenheit erreicht man damit nicht. Aber Zufriedenheit ist der Schlüssel zu eine erfüllten Leben. Nicht Größe und Macht und auch nicht ein Maximum an Konsum.

 

Sprechen wir über Europa. Ein "Europa der Vaterländer" sollte es sein. Aber wann war das? Der Spruch kam von Charles de Gaulle. Vor 60 Jahren. Wohl gedacht als Starthilfe, damit sich in Richtung "gemeinsames Europa" überhaupt etwas bewegen konnte. Ganz sicher war ihm der Widerspruch bewusst. Vaterland und Nationalstaat ist dasselbe und der komplette Gegensatz von "gemeinsamer" Bundesstaat. Das kann nicht funktionieren. Erleben wir ja jeden Tag in der Brüsseler Quaselbude. Aber keiner unserer "Hast du einen Opa, schick ihn nach Europa"-Politiker hat den Arsch in der Hose zu sagen:

"Entweder wir hinterlassen zukünftigen Generationen einen geeinten Bundesstaat Europa, der gegen Nordamerika, China, Indien und auch das Rohstoff-Imperium Russland bestehen kann. Dann aber müssen wir die Nationalstaaten aufgeben und uns rund um die Metropol-Regionen organisieren. Mit so viel regionaler Freiheit wie möglich. Aber auch mit so viel verbindliche und unumstößliche Vorgaben der Union wie nötig. Austreten kann es nicht geben, dafür aber rausgeworfen werden. Heute ist es, mit verherrenden Folgen, genau umgekehrt.

Oder wir machen in 'weiter so' mit dem Widersinn 'Europa der Vaterländer'. Dann kann jeder Provinzfürst auch in Zukunft in seinem Land machen, was man will und sich als 'Erster im Staat' fühlen. Allerdings kostet die Brüsseler Quaselbude dann auch weiterhin Unmengen an Geld und es bringt am Ende so viel wie die Verteidigungs-Ausgaben der EU-Länder heute. Also sehr viel weniger als nötig wäre." 

 

Die aktuellen Politiker der Seilschaft scheinen die zweite Variante zu wählen. Ich sehe niemanden von Format, der sich erfolgreich um ein handlungsfähiges Europa mit Erfolg bemühen könnte. Geschweige denn wöllte. Brexit haben wir hinter uns. Polen und Ungarn kassieren, machen aber ansonsten, was sie wollen. Beide sind keine Demokratien mehr. Heute bibbern wir, ob die Deutschland-hassende Madame Le Pen gewählt wird. Eine Populistin, welche die Europäische Union vernichten will. Und wieder einen Beweis liefert, dass unfärige und/oder unwillige Polit-Seilschaften die Leute in die Arme von Populisten und Diktatoren treiben.

Die "geschmeidigen" Polit-Profis bekommen es hin, der Ukraine zu spät und zu wenig unter die Arme zu greifen gegen die genauso peinlich schwache wie brutale russische Armee. Das Problem der Putin-Entsorgung mitsamt seiner Polit-Clique bleibt uns so erhalten. Dann mal gutes Gelingen beim Big-Bang.

 

Ich bin 66 Jahre, habe mein Leben gehabt und auf den Kanaren mein "zweites zu Hause".

Weit weg vom (atomaren) Schuss. Allerdings - die Zukunft der jungen Leute ist mir nicht egal.

  • Frank Kleudgen
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